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Winter 2009

PNPTCN 1214

"PNPTCN 1214" ist eine Performance, die bedeutsame Details aus zwei der virulentesten Theorien des 20. Jahrhunderts zu vereinen sucht. Zum Einen handelt es sich um Michel Foucaults Analyse von modernen Machtstrukturen am Beispiel des Strafvollzugs, in der das namensgebende Panopticon als Gefängnisform die paradigmatische Stellung einnimmt. Zum Anderen ist es das Streben der Kulturproduktion nach dem, was Umberto Eco das offene Kunstwerk genannt hat, d.i. eine Übergabe der Deutungsmacht an den Rezipienten. Wie leicht zu erkennen ist, findet sich die Schnittmenge der beiden Theoreme im Begriff der Macht, was ihre Zusammenführung ermöglicht. Im Zentrum steht hierbei die Auflösung der Passivität in Form einer Grenzüberschreitung, die weiter geht, als dem Rezipienten einfach genug Spielraum für seine Interpretation zu geben – er wird hier zum Akteur gemacht. Er bewegt sich innerhalb einer Textur, die nur noch Zustände beschreibt und kann die gemeinsame Struktur, in der er mit den anderen Akteuren handelt, nicht nur mitgestalten, sondern muss dies sogar, wenn etwas geschehen soll.

Der Bühnenaufbau von "PNPTCN 1214" besteht aus einem Kubus mit einer Kantenlänge von ca. 8 Metern. In diesem befinden sich 4 Räume, die von außen begehbar sind. In ihrem Zentrum wiederum befindet sich ein Turm, von dem aus alle anderen Räume per Videoüberachwung sichtbar sind. Der Zugang zu diesem ist jedoch nur den Besuchern vorbehalten, die sich den passenden Schlüssel besorgen. Wer ihn findet, erringt mit ihm die Macht über die gesamte Performance, er kann sie steuern, lenken, überwachen oder beenden.

Uraufführung: 15. Dezember 2009 (LOFFT Leipzig)
weitere Aufführungen: 16. und 17. Dezember 2009 (LOFFT Leipzig) 
24. Januar 2010 (SKALA, Centraltheater Leipzig)

Kreuzer Magazin 1/2010, Franziska Reif:
"Die eindeutigen Übertretungen - die Verletzung der Privatheit, das Bestrafen von unerwünschtem Verhalten sowie die Spielchen, die auf die Erzeugung von Unbehagen abzielen - verfehlen ihre Wirkung nicht. Viele Zuschauer sind beeindruckt. Gleichzeitig kommt es zu Solidaritätsaktionen gegen 'die', werden sich unbemerkt Hinweise gegeben, worauf man zu achten hat."

Leipziger Volkszeitung am 17.12.2009, Caroline Baetge:
"Mutig, spannend, beklemmend, aber ohne (Auf-)Lösung: 'PNPTCN 1214' im Lofft." - "Geredet wird nicht, nur stumpf(sinnig) und mechanisch gemetzelt. Das Fleisch spritzt, die Hand hackt, das Gehirn fragt nicht. Der Mensch als Tier, das Tier als Werkzeug des Menschen. Erlöst wird man nur, wenn man widerspricht. Ein schlichtes 'Nein' und der Alptraum hat ein Ende. Oder fängt er in der nächsten Zelle erst an?"